Frauen auf Reisen - Erlebnisreisebücher
Es drängte sie, die Welt zu sehen...
Zu allen Zeiten gab es
Globetrotterinnen, Abenteuerinnen, Piratinnen, freiwillige
und unfreiwllige Aussteigerinnen, mutige Frauen voller Kraft,
die sich auf den Weg machten. Wer eines dieser Bücher
gelesen hat, wird bemerken: Frauen auf Reisen erleben anders,
sie berichten anders. Alle Bücher dieser Sammlung
"Frauen unterwegs" sind uneingeschränkt empfehlenswerte
spannende Lektüre. Besonders empfohlen auch denjenigen, die sich in einer Lebenskrise befinden, denn der Nebeneffekt ist die Erkennbarkeit, daß die Kraft und die Stärke keineswegs immer in die Wiege gelegt wurde.
Es
drängte sie, die Welt zu sehen von Christel Mouchard
Unentwegte Reisende Frauen im 19.Jh.
Ida Pfeiffer, Mary Seacole, May Sheldon, Alexine
Tinne, Isabel Bird
Seidenraupe,
Dschungelblüte
von Charlotte Kerner
Die Lebensgeschichte der Maria Sibylla Merian, die
1699 als 52jährige mit ihrer Tochter von Amsterdam
nach Südamerika segelte, um im Dschungel von
Surinam Pflanzen und Schmetterlinge zu beobachten.
Traumfänger
von Marlo Morgan Die amerikanische Ärztin,
die - zunächst unfreiwllig und völlig
unvorbereitet - von einem Stamm australischer
Aborigines zur Ehrung ihrer Arbeit mit jugendlichen
Ureinwohnern zu einem "Walkabout" eingeladen wird,
schildert in diesem faszinierenden Buch ihre Erlebnisse
während der strapaziösen 3-monatigen
Wanderung durch den australischen Busch.
Jenseits von Istanbul
Die abenteuerliche Reise einer jungen Frau durch
Ostanatolien und Iran
von Christina Dodwell (Heyne Verlag, Reihe "FrauenReiseBerichte)
Aus eigener Kraft. Mit dem Fahrrad nach Indien.
von Dervla Murphy (Heyne Verlag, München,
1993)
"Nur die innere Reise
ist wirklich. ..Ich weiß, daß ich mich von der
äußeren Welt abkehren muß, die nicht die
einzige Wirklichkeit ist, und der Kraft lauschen, die in
mir liegt." Ella Maillart (1903-1994), berühmte Schweizer
Weltreisende, zeichnete sich früh als begeisterte Ski-
und Wassersportlerin aus. Die Überwindung von Schwierigkeiten
begriff sie als Herausforderung an sich selbst, als
Erfahrung ihrer körperlichen und seelischen Grenzen.
Ihr war klar: "Die Weite des Horizonts muß in
uns sein, darf nur aus uns kommen".
Diogena
von Fanny Lewald (alias Iduna Gräfin H.H.)
Isabella
Bird (1831-1904) war wegen undefinierbarer Rückenschmerzen
seit Kindheit an in ständiger ärztlicher
Behandlung. Die übermächtig werdende Lust
auf Leben und Freiheit ließ sie mit 40 Jahren ihre
physischen und psychischen Probleme buchstäblich über
Bord werfen. Mit der Einschiffung nach Australien begann
das Abenteuer ihres Lebens.
Alexandra
David-Néel (1868 - 1969) sagte von sich
selbst, daß sie weglaufen konnte, noch bevor sie
gehen konnte. "Die wahren Freunde sind die Bäume,
die Gräser, die Sonnenstrahlen, die Wolken, die in
der Dämmerung oder im Morgengrauen am Himmel schweben,
das Meer, die Berge." Mit minimalsten Finanzmitteln ausgestattet
und unbezähmbarem Willen erreichte sie als 55-jährige,
nach unglaublichen Strapazen auf der langen Reise, 1923
zusammen mit dem jungen Mönch Yongden aus Sikkim,
in der Verkleidung einer pilgernden Bettelnonne mit Sohn,
als erste weiße Frau die verbotene Stadt Lhasa,
Hauptstadt Tibets. Ihre ausgedehnten Reisen nach Asien
hat sie in über dreißig Büchern dokumentiert,
von denen nachfolgend eine kleine Auswahl aufgeführt
ist.
Am 1.8.1716 beginnt die
Orient-Reise der gebildeten Lady
Mary Montagu (1689-1762), über die sie in zahlreichen
Briefen nach London berichtet. Ihre anfänglichen Vorbehalte
gegen die islamische Sitte der Verschleierung der Frauen
ändert sie, als sie über die Vorteile aufgeklärt
wird: "Die Frauen sind durch ihre Verschleierung so
gut versteckt, daß eine vornehme Dame nicht mehr von
ihrer Dienerin zu unterscheiden ist. ...und haben dadurch
ungeahnte Freiheit, sich mit ihren Liebhabern zu treffen."
Sie rühmt die Schönheit der arabischen Poesie,
besonders der "Liebesausdrücke voll Feuer und
Leben" und stellt fest: "Höchst wunderbar
ist, daß sie hier von dem Fluche befreit zu sein scheinen,
der dem weiblichen Geschlecht auferlegt ist."
Eva
und Mister Robinson
von Lucy Irvine
Ein Paar spielt "Schiffbrüchige", um seine
Grenzen kennenzulernen.
Die Engländerin Lucy Irvine schildert 1 Jahr
auf einer einsamen tropischen Insel.
Postlagernd
Floreana
von Margret Wittmer
Ein außergewöhnliches Frauenleben am
Ende der Welt.
Im August 1932 kommt die Kölnerin Margret
Wittmer mit Mann und Sohn als Siedlerfamilie nach
Floreana, einer einsamen vulkanischen Insel im
Galápagos-Archipel. Ihre Familie lebt
noch heute auf Floreana und hat ihr Auskommen
durch Inselbesucher (Pension, Laden, Schiffe).
Anne
Bonny - Piratenkönigin der Karibik von
Franjo Terhart
Inmitten der Piratenbanden des 18. Jahrhunderts
verschaffte sich eine Frau Respekt: Anne Bonny,
die Piratin mit dem 'lady touch'. Ihr Leben als
Piratin in karibischen Gewässern ist ein einziges
spannendes Abenteuer.
Hohe Berge, tiefe Täler, weites Land.
Mein Jahr mit Nomaden in der Mongolei
von Louisa Waugh (2006) Die britische Journalistin lebte eine Weile in Ulaan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, anschließend 1 Jahr als Englischlehrerin in einem kleinen Dorf namens Tsengel im äußersten Westen der Mongolei inklusive einen Sommer im Altai-Gebirge. Ein sehr intensiver Bericht über das Leben der mongolischen und kasachischen Nomaden in der Region. mh
Wir haben gar kein Auto...
von Jutta Speidel
Die beliebte Schauspielerin, die vor einigen Jahren mit unglaublich zähem Engagement ihre Idee eines Hauses für obdachlose Frauen und Kinder in München realisierte (Verein und Stiftung HORIZONT e.V.) machte sich im Spätsommer 2008 auf, mit ihrem Lebenspartner, dem italienischen Schauspieler Bruno Maccalini, von München nach Meran zu radeln. In dem Buch schildert sie die Vorbereitungen und beschreibt detailliert die Strecke. Es ist dies allerdings auch ein sehr persönliches Buch, in dem sie selbst und ihr Co-Autor Maccalini über Begebenheiten und Konflikte vor der Radtour und unterwegs aus dem jeweils eigenen Blickwinkel berichtet. Die Offenheit und das Wiedererkennen der unterschiedlichen Sichtweise innerhalb der Beziehungen machen den besonderen Reiz dieses Buches aus. mh
Orient Reisen
Reportagen aus der Fremde von Annemarie Schwarzenbach Edition Ebersbach ISBN 978-3-86915-019-2
192 S., € 19,80 / SFr 34,80
Annemarie Schwarzenbach (1908 - 1942) entstammte einer der angesehensten Schweizer Familien. Sie war promovierte Historikerin, outete sich als Lesbe und machte sich einen Namen als Autorin, Fotografin und Reporterin. Sie bereiste im Auto Europa, den Orient, die USA und während des 2. Weltkriegs Afrika. Mit nur 34 Jahren starb sie 1942 nach einem Fahrradunfall mit nachfolgender Fehlbehandlung in ihrem Haus in Sils-Baselgia im Engadin in der Schweiz.
Das Buch wurde im März 2010 neu aufgelegt von der Edition Ebersbach (und dort erhältlich), der Herausgeber ist der langjährige Schwarzenbach-Forscher Walter Fähnders, apl. Professor für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück.
Ich hatte mich sehr gefreut als mir der kleine, aber sehr feine Frauenverlag Ebersbach nach Erscheinen das druckfrische Buch zusandte. Denn soviele interessante Frauenbücher sind vom Markt verschwunden, viele gute Buchhandlungen und das Sortiment in den verbliebenen richtet sich in erster Linie nach Bestsellerlisten, über die man staunen darf.
Dieses Buch hat mich in mehrfacher Hinsicht besonders berührt: in dem Buch berichtet Annemarie Schwarzenbach, nach ihren Worten "eine unheilbare Reisende", in Form von Reportagen über ihre Reisen im Zeitraum 1933/34 in den Nahen Osten. Sie reist mit ihrem Auto von der Schweiz über Italien, durch Anatolien, nach Afghanistan und in den Vorderen Orient bis Persien (heute Iran), nach Teheran und Persepolis, nach Bagdad bis in die Wüsten von Turkmenistan und die Höhen des Hindukusch. Sie beschreibt Menschen, ihre Lebensweise, die zeitgenössische Kultur und mit kompetentem Wissen die Sehenswürdigkeiten aus dem Altertum, die sie besichtigt, wie auch über alltägliche oder ungewöhnliche Erlebnisse und Freunde, die sie unterwegs trifft. Mit einer so reichen Sprache, daß ich als Leserin daß Gefühl hatte, ich bin ihre Beifahrerin und: Freundin. Ich konnte es nicht glauben: sie ist 70 Jahre tot, es hat sich soviel verändert und doch: sie war mir so nah. Die gleichen Gedanken, dieselben Interessen und Hochachtung vor dem, was Menschen vor uns geschaffen haben, die Lust zu reisen, aus Neugier was hinter den Bergen sein mag, um den Horizont zu erweitern, aber auch die undefinierbare zeitweilige Traurigkeit, die Liebe zur Natur, Pflanzen und Tieren. Wie sehr habe ich ihre Langweile verstanden beim Durchfahren endlos scheinender öder Steinwüsten, wie gern hätte ich am Abend mit ihr zusammengesessen, im Auto diskutiert.
Es war der reiche Wortschatz, der deutschen Sprache, aus dem sie schöpft, keine erfundenen oder blumigen Phantasiewörter manch hochgelobter Autorinnen und Autoren (die mich so oft in den Schlaf gelangweilt haben), der mich bereits auf den ersten Seiten des Buches überraschte und beeindruckte. Sie scheut sich nicht, Stellung zu nehmen. Schon auf den ersten Seiten kam allein durch ihre Sprache eine Persönlichkeit zutage, so individuell und eigenwillig, daß ich auf fast jeder Seite des Buches bedauerte, sie - zumindest in diesem Leben - nicht mehr treffen zu können. Diese Frau hätte ich gern kennengelernt - mit allen Ecken und Kanten. Ein wenig bedauert habe ich, daß es kein durchgehendes Reisetagebuch ist, aber auch sehr gut verstanden. Man mag sich Notizen machen, aber wie wenig Lust ist dabei, nach anstrengenden Stunden des Reisens in unwegsamen Gebieten permament die Eindrücke festzuhalten.
Der Reisenden und Schriftstellerin ist zu verdanken, daß mit der Lektüre dieses Buches das Reisen und Leben im Orient kurz vor dem 2. Weltkrieg und die Stätten des Altertums vor den Kriegen dieses Jahrhunderts lebendig vor unserem geistigen Augen wieder entsteht.
Aber was nützte uns das ohne das zweifellos große ideelle und finanzielle Engagement derjenigen, die sich darum bemühten, Annemarie Schwarzenbach nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
mh
P.S. Das Buch kann man beim Verlag Edition-Ebersbach in Berlin direkt bestellen. Aber ich empfehle auch sehr gern im übrigen Sortiment zu stöbern, es wird Ihnen Spaß machen, dort ausgesuchte Bücher zu finden, die es durchaus nicht mehr überall gibt.
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Annemarie Schwarzenbach Orient Reisen Reportagen aus der Fremde Rezession updated
12.08.2010